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Verschiedene Veranstalter fragten uns, ob wir nicht ein Theaterstück zur Leseförderung / Literaturförderung entwickeln könnten. Wir prüften verschiedene Literaturgattungen und da meldete sich auch die Fabel zu Wort, bzw. zu „Bild“.

Zuerst hatten wir bedenken, denn Fabeln gehören zur didaktischen Literatur, und das ist auch ihr Problem. Der erhobene Zeigefinger ist eben eine unsympathische Geste. Heutige Leser stören sich an der Zweckhaftigkeit der Fabeln, die mit der Vorstellung autonomer Kunst zusammen stößt und dem ersten Anschein nach auch unserem Verständnis von Kindertheater widerspricht. 

Bei den Recherchearbeiten zu diesem Stück wurde uns aber klar, wie modern die Fabel eigentlich ist. Die interessantesten Menschen haben sich seit Jahrtausenden mit dieser Literaturgattung beschäftigt, z.B. Äsop, Da Vinci, Martin Luther, Brecht, Novalis, Lessing, Thurber, Busch...  

Was uns erstaunt hat ist, dass Fabeln zu jeder Zeit und in allen Kulturen präsent waren und sind. Sie sind eine Art Variationskunst und die erste Globalisierungsliteratur der Weltgeschichte. Die o.g. Schriftsteller sind sehr frei und spielerisch mit den Fabeln umgegangen und haben sich nicht um didaktische Belange gekümmert. Dieser Art des Umgangs schließen wir uns als Theatermacher an. Die Analyse und Interpretation der Fabeln im pädagogischen Sinne steht bei uns nicht im Vordergrund, sondern die Bedeutung des Wortes „fabulieren“ im Sinne von fantasiereich nacherzählen. Auch das Wort Moral im Zusammenhang mit Fabeln möchten wir mit dem Wort Haltung und Lebensklugheit ersetzen. 

Fabeln sind besonders für Kinder mit Migrationshintergrund als Lese- und Literatureinstieg sehr geeignet, da das Textvolumen überschaubar ist und sie in jeder Kultur zu finden sind. 

Ein besonderes Merkmal unserer Theaterarbeit ist, dass wir während der Entstehung des Theaterstückes unser zukünftiges Zielpublikum mit einbeziehen. In diesem Fall sah das so aus, dass wir ein Projekt zum Thema Fabeln und Schattentheater in einer 5. KIasse einer Hauptschule durchgeführt haben. Es wurden Probeveranstaltungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und in Kindergärten durchgeführt. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass wir dieses Stück bereits für Kinder im Vorschulalter anbieten können.

Außerdem bemerkten wir, dass die Figur des Fabellisten die Möglichkeit hat, das Theaterstück den verschiedenen Altersgruppen anzupassen. Dadurch sind wir zur Überzeugung gekommen, dass wir eigentlich ein Familientheaterstück erarbeitet haben. 

Warum haben wir uns gerade für das Medium Schattentheater entschieden? Diese Form des Theater zeigt das Wesentliche, ähnlich wie die Fabeln selbst. Schattentheater gibt uns auch die Möglichkeit, visuell zu fabulieren. Fabeln und Schattentheater ergänzen sich unserer Meinung nach ideal. Natürlich könnten jetzt noch weiter über Fabeln fabulieren und erzählen, aber das würde ins Unendliche führen.

Unsere 5 Fabeln sollen eine Initialzündung auslösen, damit Kinder und Erwachsene die spannende Literaturgattung Fabel wieder oder neu entdecken.